Ein sorgfältig kuratierter Führer

Berlin, in drei Teilen — Gin, Wermut, Campari.

Zweiundzwanzig Adressen, von Charlottenburg bis Neukölln, an denen der Negroni — und das italienische Aperitivo-Ritual — mit dem Ernst behandelt werden, den Berlins Bar-Renaissance verdient.

Die Molecule Men in der Spree
Die Molecule Men in der Spree — dort, wo Kreuzberg, Treptow und Friedrichshain sich treffen.

Berlin, eine Stadt mit Durst

Eine Bier- und Späti-Stadt, die das Handwerk wiederentdeckt.

Berlin trinkt Bier, und am Späti die Club-Mate. Das ist die örtliche Selbstverständlichkeit. Aber Berlin hat auch eine eigene, ältere Geschichte des Bitteren: 1894 erfand der Likörfabrikant Carl Mampe sein Halb & Halb — einen bitter-orangen Kräuterlikör, der dem italienischen Amaro näher steht, als die meisten ahnen. Und im West-Berlin der 1970er hielt eine kleine Kaste von Barkeepern in unscheinbaren Lokalen das Handwerk am Leben. Aus dieser doppelten Wurzel ist eine Renaissance gewachsen.

Heute trägt sie von Charlottenburg bis Neukölln. Buck and Breck brachte Berlin 2010 auf die Karte der Welt; in Kreuzberg und Neukölln zogen Schwarze Traube und Velvet nach. In den Bars, die folgen, mündet das Ritual in einen Negroni, der so serviert wird, wie er gehört: zu gleichen Teilen, ein großer Eiswürfel, eine ausgedrückte Zeste. Zweiundzwanzig Adressen. Alle geprüft. Keine zufällig.

Die Auswahl

Zweiundzwanzig Adressen, die den Umweg lohnen.

Berlin ist eine Bier- und Späti-Stadt; die ernsthaften Cocktailbars sind eine kleine, glänzende Minderheit. Diese zweiundzwanzig machen einen Negroni, den du wiedererkennst — und in einigen Fällen einen, den du nicht vergisst.

Bar Milano Mailänder Aperitivo · Mitte

Bar Milano

Brunnenstraße 11, 10119 Berlin

✦ Vier Negroni auf der Karte — Classic, Milanese, Antico und Bar Basso —, jeder mit einem Teller Aperitivo-Snacks.

Direkt am Rosenthaler Platz pflegt Carmelo Casucci seit 2014 das Mailänder Aperitivo so, wie es in den Siebzigern erfunden wurde: das Getränk zuerst, dazu kalte Klassiker — Vitello, Caprese, Bresaola. Vier Negroni stehen auf der Karte — Classic, Milanese, Antico und ein Bar Basso —, jeder kommt mit einem kleinen Teller. Es ist die ehrlichste Aperitivo-Adresse im Zentrum: kein Schnickschnack, kein Küchentheater, nur die bitter-süße Stunde zwischen Feierabend und Abendessen. Wer das Aperitivo aus Mailand kennt, fühlt sich hier sofort zu Hause.

  • ÖffnungszeitenSo–Mo 18:00–00:00 · Di–Do 18:00–01:00 · Fr–Sa 18:00–03:00
  • Telefon+49 30 47377011
Buck and Breck Speakeasy · 14 Plätze

Buck and Breck

Brunnenstraße 177, 10119 Berlin

✦ Der Buck & Breck — Cognac, Absinth, Bitter, Champagner. Nur Bar, keine Karten, kein Handy.

Berlins einziger Eintrag auf der World’s 50 Best Bars Liste (Platz 16, 2015), eröffnet 2010 vom Portugiesen Gonçalo de Sousa Monteiro. Vierzehn Plätze an einem einzigen schwarzen Tisch, hinter einer Ladenfront mit einem Neon-„Closed“, das geöffnet bedeutet. Keine Kartenzahlung, keine Handys, starke, eiskalte Drinks. Benannt nach Präsident Buchanan und seinem Vize Breckinridge. Der namensgebende Buck & Breck — Cognac, Absinth, Bitter, Champagner — ist die Signatur; den Negroni baut man auf Wunsch. Die Vorlage für Berlins ganze Speakeasy-Generation.

„Buck and Breck ist geöffnet, wenn ‚Closed‘ leuchtet.“

— Surface
Tausend Versteckte Bar · unter den Bahnbögen

Tausend

Schiffbauerdamm 11, 10117 Berlin

✦ Eine fensterlose Stahltür unter den S-Bahn-Bögen am Bahnhof Friedrichstraße; ein röhrenförmiger Raum, weltläufige Cocktails.

Direkt neben dem Bahnhof Friedrichstraße, hinter einer unmarkierten Stahltür mit Bullauge, beginnt der Berliner Inbegriff der versteckten Bar. 2007 vom Team hinter dem „103“ eröffnet, öffnet sich hinter dem Türsteher ein röhrenförmiger Raum mit verspiegelter Decke und einer trichterförmigen Lichtinstallation — irgendwo zwischen Metropolis und Babylon Berlin. Die Karte ist weltläufig (ein Old Cuban mit dunklem Rum und Champagner steht im Schaufenster), das Programm reicht von Jazz bis Elektro. Einen klassischen Negroni führt die Karte nicht offen — aber wer hier sitzt, fragt danach, und man baut ihn. Seit fast zwanzig Jahren prägt Tausend die Nacht in Mitte.

„Hierher kommen die Begüterten, um beim Nippen an erfindungsreichen Drinks in einem röhrenförmigen, stahlgedeckten Raum gesehen zu werden.“

— Time Out Berlin
  • ÖffnungszeitenMi ab 20:00 · Do–Sa ab 21:00 · So–Di geschlossen
Crackers Klingeln, durch die Küche · Mitte

Crackers

Friedrichstraße 158, 10117 Berlin

✦ Erbe des legendären Cookies — Mittes erste Cocktailadresse. Auf der Karte: der Watermelon Man und ein „Nogroni“.

Einen Block südlich des Bahnhofs Friedrichstraße, an der Ecke Unter den Linden, klingelt man und geht durch die Küche in einen hohen, DJ-bespielten Saal. Crackers ist das Erbe von Cookies: 1994 eröffnete der in London geborene Nachtleben-Pionier Heinz „Cookie“ Gindullis die erste Cookies-Bar — die erste Adresse in Mitte, die Cocktails servierte. Nach zwanzig Jahren Clubnächten machte er aus dem Raum ein Restaurant mit ernsthafter Bar; der Watermelon Man von damals ist heute ein moderner Klassiker, und auf der Karte steht ein „Nogroni“. Michelin-gelistet, durch und durch Mitte.

„Nach zwanzig Jahren Clubszene wollte ich etwas Neues machen.“ — Heinz „Cookie“ Gindullis

— Gourmetwelten
  • ÖffnungszeitenTäglich 18:00–24:00 · Bar Do–Sa bis 01:00
  • Telefon+49 30 680730488
Windhorst Der „Ambos Mundos“ · Mitte

Windhorst

Dorotheenstraße 65, 10117 Berlin

✦ Der „Ambos Mundos“ — Windhorsts eigene Negroni-Variation; dazu Klassiker bis zur Perfektion, frisch gepresste Säfte, Vinyl-Jazz.

Im stillen Dreieck zwischen Friedrichstraße, Unter den Linden und dem Regierungsviertel — Wand an Wand mit der einstigen US-Botschaft — führt Günter Windhorst seit 1999 seine Ein-Raum-Bar: graue Putzwände, Bronzedecke, Bankettsitze, weißhemdige Barkeeper, ein Plattenspieler für den Jazz. Fünf-Sterne-Politur, aber entspannt. Die Klassiker — Old Fashioned, Sour, Negroni — werden mit frisch gepressten Säften und hausgemachten Zutaten zelebriert; die Signatur ist der „Ambos Mundos“, Windhorsts eigene Lesart des Negroni (der Name — „beide Welten“ — nickt zu Hemingways Hotel in Havanna). Falstaff Bar Guide 2026: 90 Punkte. Eine diskrete Berliner Institution an der Friedrichstraße.

„Diese Ein-Raum-Bar verströmt die Eleganz einer klassischen Fünf-Sterne-Hotelbar — und bleibt dabei entspannt und ungezwungen.“

— Difford’s Guide, 2025
  • ÖffnungszeitenMo–Do 18:00–01:00 · Fr 18:00–02:00 · Sa 19:00–02:00 · So geschlossen
  • Telefon+49 30 49931895
Velvet Foraging-Labor · Neukölln

Velvet

Ganghoferstraße 1, 12043 Berlin

✦ Mikrosaisonale, selbst gesammelte Cocktails — wöchentlich neue Karte, ein Tasting-Menü aus zehn Drinks.

Berlins international höchstplatzierte Bar der Gegenwart (World’s 50 Best, Platz 77, 2023; zweimal Mixology „Bar des Jahres“). 2017 von Ruben Neideck und Filip Kaszubski in Neukölln eröffnet. Ein Labor im Haus destilliert, fermentiert und infundiert, was das Team in Berlin und Brandenburg sammelt: Magnolie, Fichtenspitzen, Holunder, Japanischer Staudenknöterich. Die Karte wechselt wöchentlich, das Tasting-Menü umfasst zehn Drinks. Ehrlich gesagt denkt Velvet eher in leichten Spirituosen, Sake und Sherry als im klassischen, spirituosenlastigen Negroni — aber es ist das Aushängeschild der Berliner Renaissance, und an ihm führt kein Weg vorbei.

„Velvet schickt sein Personal los, um vieles, was in den filigranen Cocktails landet, selbst zu sammeln.“

— PUNCH
Schwarze Traube Ohne Karte · Wrangelkiez

Schwarze Traube

Wrangelstraße 24, 10997 Berlin

✦ Keine Karte: Atalay Aktas fragt nach deinem Geschmack und baut den Drink — Negroni nach Maß. Hausgemachte Bitter.

Im Wrangelkiez, hinter einer Klingel, baut Atalay Aktas seit 2012 ohne Karte. Man nennt einen Geschmack — oder eine Kindheitserinnerung —, und er mischt den Drink dazu, aus hausgemachten Bittern, Likören und frischen Zutaten aus der nahen Markthalle Neun. 2013 wurde Aktas Diageo World Class Bartender des Jahres für Deutschland und anschließend Europameister. Eine winzige, internationale Bar, die das Kreuzberger Handwerk auf die Weltkarte setzte. Den Negroni gibt es nach Maß — sag, wie bitter du ihn magst.

„Das hat uns auf die internationale Landkarte gesetzt.“ — Atalay Aktas

— Tales of the Cocktail
  • ÖffnungszeitenSo–Do 19:00–02:00 · Fr–Sa 19:00–04:00
  • Telefon+49 30 23135569
Green Door Klassiker seit 1995 · Schöneberg

Green Door

Winterfeldtstraße 50, 10781 Berlin

✦ Eine telefonbuchdicke Klassiker-Karte — und ein mit Buttermilch geklärter Negroni (50 Best Discovery).

Seit 1995 hinter einer buchstäblich grünen Tür in der Winterfeldtstraße, eröffnet vom Autor Fritz Müller-Scherz. Karierte Wände, New Yorker Mobiliar, Klingel-Eintritt — „irgendwo zwischen privatem Salon und David-Lynch-Film“. Hier stand Stefan Weber hinter dem Tresen, bevor er die Victoria Bar gründete: Das Green Door ist eine Wurzel der modernen Berliner Szene. Heute führt die preisgekrönte Andrea Kuhn das Haus. Die Klassiker-Karte ist telefonbuchdick; in einem Sommer stand sogar ein mit Buttermilch geklärter Negroni darauf.

„Mit Hund, Python und preisgekrönter Bartenderin: Berlins ‚Green Door‘ wird 30.“

— Tagesspiegel, 2025
  • ÖffnungszeitenTäglich ab 19:00 · So–Do bis ~01:30 · Fr–Sa bis ~02:00
  • Telefon+49 30 2152515
Becketts Kopf Hinter Becketts Porträt · Prenzlauer Berg

Becketts Kopf

Pappelallee 64, 10437 Berlin

✦ Klassische Cocktails aus handgemachten Destillaten, in zwei stillen Zimmern. Fotografieren unerwünscht.

In der Pappelallee markiert das leuchtende Porträt Samuel Becketts eine ansonsten unbeschriftete Tür. Dahinter: zwei stille, erwachsene Zimmer, klassische Cocktails aus handgemachten Destillaten, vieles saisonal. Geführt von einem gastfreundlichen Paar, Oliver und Kristina, ist Becketts Kopf seit weit über einem Jahrzehnt ein Fixpunkt der ernsthaften Cocktailkarte Berlins. Fotografieren ist unerwünscht, Reservierung ratsam. Ein spirituosenkundiger, klassikfreudiger Ort — also ein natürliches Zuhause für den Negroni. Für den späten, leisen Drink im ruhigen Osten.

„Eine Oase des feinen Drinks in Prenzlauer Berg.“

— Time Out Berlin
Lebensstern 1.500 Spirituosen · über dem Café Einstein

Lebensstern

Kurfürstenstraße 58, 10785 Berlin

✦ Über 1.500 Spirituosen und ein Hauspour zwischen Manhattan und Negroni — Bourbon, Campari, roter Wermut.

Im ersten Stock über dem historischen Café Einstein an der Kurfürstenstraße, seit 2008. Rote Wände, schweres Leder, die Stummfilmdiva Henny Porten wacht über den Raum; Tarantino drehte hier Teile von Inglourious Basterds. Die eigentliche Sensation steht in den Regalen: über 1.500 Spirituosen, darunter Hunderte Gins und Rums — vermutlich Europas größte Bibliothek ihrer Art. Wer einen Negroni baut, hat hier die freie Wahl der Botanicals. Das Haus selbst empfiehlt einen Pour zwischen Manhattan und Negroni: Bourbon, Campari, roter Wermut.

  • ÖffnungszeitenDi–Do 17:00–01:00 · Fr–Sa 18:00–02:00 · So–Mo geschlossen
  • Telefon+49 30 26391922
Stagger Lee Saloon · Nollendorfplatz

Stagger Lee

Nollendorfstraße 27, 10777 Berlin

✦ Ein Saloon mit Schwingtüren und Chesterfields; hausgemachte Sirups und Cordials, Klassiker auf Zuruf.

Seit 2009 ein amerikanischer Saloon am Nollendorfplatz: Schwingtüren, Chesterfield-Sessel, rote Tapete, eine Galerie aus Western und Hollywood. Benannt nach dem Outlaw aus der alten Blues-Ballade. Die Karte erzählt mal von Lateinamerika, immer aus eigenen Sirups, Cordials und Infusionen; Klassiker — auch der Negroni — gibt es auf Zuruf, und das alkoholfreie Programm ist ernst gemeint. Kein Reservieren, wer zuerst kommt, sitzt zuerst. Ein Stück West-Berliner Barkultur, das die Schöneberger Nacht trägt.

„Dieser Saloon ist die gehobene Variante — eher Goldgräber-Spekulant als Viehdieb.“

— Difford’s Guide
  • ÖffnungszeitenSo–Mo 18:00–00:00 · Di–Do 18:00–01:00 · Fr–Sa 18:00–02:00
  • Telefon+49 30 29036158
Mr. Susan 50 Best Discovery · Mitte

Mr. Susan

Krausnickstraße 1, 10115 Berlin

✦ Koreanisch-niederländisch: Kimchi-Saft, Sauerteig-Sirup, Makgeolli — neben sauber gebauten Klassikern wie der Aviation.

An der Ecke Oranienburger Straße, in der alten Spandauer Vorstadt, mischen Susan Choi und ihr Partner Robbert eine der eigenwilligsten Karten der Stadt: koreanisch-niederländische Aromen — Kimchi, Sauerteig, Makgeolli — auf einem soliden Fundament klassischer Technik. Die Spirituosen-Akademie der World’s 50 Best führt Mr. Susan in ihrem Discovery-Verzeichnis. Klein, persönlich, neugierig: genau die Mitte-Renaissance, um die es hier geht.

  • ÖffnungszeitenDi–Sa 18:00–02:00 · So & Mo geschlossen
ORA Negroni in der alten Apotheke · Kreuzberg

ORA

Oranienplatz 14, 10999 Berlin

✦ Negroni und Americano, gegossen an einer Bar aus dem Mobiliar einer Apotheke von 1861.

ORA sitzt in der früheren Oranien-Apotheke von 1861, deren originale Chemiker-Einrichtung — dunkles Holz, Reihen antiker Medizinflaschen — heute die Rückwand der Bar bildet. Italienisch geprägtes Aperitivo: der Negroni und der Americano sind Hausgüsse, am Tresen serviert, mitten am Oranienplatz. 2015 von Lukas Schmid und Christoph Mack eröffnet, 2020 unter der Michelberger-Crew neu aufgestellt — und 2026 fest geöffnet. Genau das Bild des Berliner Negroni: eine bittere Orange in einer Apotheke.

  • ÖffnungszeitenDi–Sa ab 17:00 · Lunch Fr–Sa 12:00–14:30 · So & Mo geschlossen
  • Telefon+49 30 50955889
Würgeengel Klassiker seit den 90ern · Kreuzberg

Würgeengel

Dresdener Straße 122, 10999 Berlin

✦ Glaskassettendecke, Apothekerschränke, über 50 Klassiker; Tapas vom Gorgonzola Club nebenan.

Eine Kreuzberger Institution seit den 1990ern, in einer Sackgasse am Oranienplatz versteckt: Glaskassettendecke, dunkles Holz, gedämpftes Licht, über fünfzig Klassiker auf der Karte. Der Name stammt von Buñuels Film „Der Würgeengel“ (1962) — man kommt rein und kommt nicht mehr weg. Tapas reicht der angeschlossene Gorgonzola Club. Falstaff: 89 Punkte. Voll, laut, beständig — die Art Bar, die einen Kiez über Jahrzehnte trägt.

„Immer noch die beste Bar im Viertel — voll, laut und nicht mehr so verraucht wie in den 90ern.“

— Time Out Berlin
Wax On World’s 50 Best · Neukölln

Wax On

Weserstraße 208, 12047 Berlin

✦ Klassiker aus dem Labor — Rotationsverdampfer und Zentrifuge; ein Erdnuss-Erdbeer-Old-Fashioned.

Die international höchstplatzierte Bar Berlins: Platz 57 der World’s 50 Best Bars 2025 (29 im Jahr 2023) und Mixologys „Bar des Jahres“ 2024. 2021 vom Briten Sam Orrock (zuvor Scout, London) mit Damien Guichard auf Berlins umkämpftester Bar-Straße eröffnet. Im Keller ein Aromen-Labor, das destilliert, zentrifugiert und klärt; oben eine knappe, klassisch verwurzelte Karte. Keine Reservierung, kein Foto-Zwang — einfach anstellen.
Hinweis: Wax On ist eine World’s-50-Best-Bar mit Labor-Klassikern; einen Negroni gibt es auf Wunsch, nicht als Signature.

„Diese Neuköllner Bar ist gerade die beste in Berlin.“

— Time Out Berlin, 2024
  • ÖffnungszeitenDi–Sa 19:00–01:00 · So 19:00–00:00 · Mo geschlossen · nur Walk-in
TiER Wohnzimmer-Speakeasy · Neukölln

TiER

Weserstraße 42, 12045 Berlin

✦ Saisonale Klassiker — Smoky Old Fashioned, „Princess and the Pea“; kein Foto, höchstens sechs Personen.

An der Ecke Weser-/Fuldastraße, ein paar Schritte vom Hermannplatz: TiER ist die Wohnzimmer-Bar des Reuterkiezes — gedämpft, persönlich, mit einer saisonal wechselnden Klassiker-Karte und hausgemachten Zutaten. Hausregeln: keine Fotos, maximal sechs Personen pro Gruppe. Difford’s führt sie als Berliner Adresse. Der Smoky Old Fashioned und der „Princess and the Pea“ (Gin, Erbsensirup, Weizenbier) sind die Signaturen; den Negroni bekommt man, wenn man fragt.

  • ÖffnungszeitenTäglich ab 19:00
KINK Labor-Cocktails im Pfefferberg · Prenzlauer Berg

KINK

Schönhauser Allee 176, 10119 Berlin

✦ Labor-Cocktails und ein ernsthaftes Low/No-ABV-Programm — „Lucky Flaeming“, Shiso-Paloma, Amer.

Im Pfefferberg, einer ehemaligen Brauerei an der Schönhauser Allee, mischt KINK seit 2020 Cocktails wie Laborarbeit: der „Lucky Flaeming“ aus Whisky, geklärter Mango, Curry und Orangenblütenhonig steht neben einem der ernsthaftesten alkoholfreien Programme der Stadt. Bar und Restaurant unter einem Dach, im Guide Michelin gelistet. Kein Negroni-Spezialist, aber ein Aushängeschild der modernen Berliner Cocktail-Technik — und ein Grund, nach Prenzlauer Berg zu fahren.
Hinweis: Kink ist kein Negroni-Spezialist — aufgenommen als im Guide Michelin gelistetes Aushängeschild moderner Berliner Cocktail-Technik.

  • ÖffnungszeitenAbendessen täglich ab 17:30 · Sa–So Brunch ab 10:30
  • Telefon+49 30 41207344
Bar Nonno Aperitivo & Negroni · Schöneberg

Bar Nonno

Akazienstraße 7A, 10823 Berlin

✦ (Neo-)Klassiker mit eigener Negroni-Sektion — „Nonno Spritz“, „Molto Sbagliato“.

In der Akazienstraße bringt Bar Nonno seit August 2023 das italienische Aperitivo nach Schöneberg: eine Karte mit eigener Negroni-Sektion, dazu der „Nonno Spritz“ und ein „Molto Sbagliato“. Gegründet von Luca Simon, klein und warm, der frühe Drink, bevor der Abend richtig beginnt. Die beste Adresse des Viertels, wenn man den Negroni meint und nicht nur einen Cocktail im Allgemeinen.

  • ÖffnungszeitenMo–Fr ab 17:00
Rum Trader Berlins älteste Cocktailbar (1976) · Charlottenburg

Rum Trader

Fasanenstraße 40, 10719 Berlin

✦ Keine Karte — „süss oder sauer?“; Rum-Fokus, Weste und Fliege, ein Dutzend Plätze.

Die älteste Cocktailbar Berlins, im April 1976 vom Dubliner „Mr Schroeder“ (zuvor Trader Vic’s) eröffnet und seit 2001 von Gregor Scholl geführt — eine der prägenden Figuren der ganzen West-Berliner Schule. Ein winziger, unveränderter Raum, „Institute for Advanced Drinking“, Big-Band-Jazz, keine Karte: Man sagt „süss oder sauer“, der Rest ist Vertrauen. Eher Rum als Negroni — aber dies ist die Wurzel, aus der die Berliner Barkultur wuchs.
Hinweis: Rum Trader ist rum-orientiert, kein Negroni-Spezialist — aufgenommen als historische Wurzel der Berliner Barkultur.

  • ÖffnungszeitenDi–Fr ab 20:15 · Sa 15:00–21:00 · So–Mo geschlossen
  • Telefon+49 30 8811428
Bar Zentral Aperitivo ab 17 Uhr · Charlottenburg

Bar Zentral

Lotte-Lenya-Bogen 551, 10623 Berlin

✦ Spirituosenstark, Negroni-/Martini-/Daiquiri-Karte; die „Funchal Manhattan“, der „Zentral Spritz“.

Unter den S-Bahn-Bögen gegenüber dem Theater des Westens, im alten City-West nahe dem Bahnhof Zoo: Bar Zentral öffnet — ungewöhnlich für Berlin — täglich schon um 17 Uhr und brachte so die frühe New Yorker Trinkkultur in den Westen. 2015 von den ehemaligen Green-Door-Barkeepern Torsten Bender und Sebastian Mathow eröffnet, eingerichtet von Hidden Fortress (auch Buck and Breck). Eine spirituosenstarke Karte, das Neon „disappear here“ — ein moderner Klassiker des Westens.

Hildegard Bar „Ein perfekter Negroni“ · Charlottenburg

Hildegard Bar

Marburger Straße 3, 10789 Berlin

✦ Eine ausgesprochene Klassiker-Bar — „ein perfekter Negroni oder ein tadelloser Old Fashioned“.

Ein paar Schritte vom Kurfürstendamm hat Thomas Pflanz 2017 die Hildegard Bar eröffnet — eine bekennende Klassiker-Bar, die genau das verspricht: einen perfekten Negroni oder einen tadellosen Old Fashioned, ohne Schnörkel. Pflanz wurde 2024 als „Gastgeber des Jahres“ ausgezeichnet. Warmes Licht, geübte Hände, kein Bohei — die ruhige, verlässliche Wahl im alten Westen.

  • ÖffnungszeitenDi–Sa 18:00–02:00 · So–Mo geschlossen
  • Telefon+49 30 21963283
Victoria Bar Pionier der Potsdamer Straße · Tiergarten

Victoria Bar

Potsdamer Straße 102, 10785 Berlin

✦ Klassisch geschulte Karte in dem Raum, der Berlins Barkultur in die 2000er hob.

An der Potsdamer Straße, hinter einer Klingel: die Victoria Bar, 2001 von Stefan Weber (zuvor Green Door) mit Kerstin Ehmer und Beate Hindermann eröffnet und weithin damit verbunden, Berlins Barkultur aus den Neunzigern in die 2000er gehoben zu haben. Eine klassisch geschulte Karte, gedämpftes Licht, Kunst an den Wänden. Nach einem Brand kurz vor Weihnachten 2022 kehrte sie Anfang 2024 zurück. Ein Eckpfeiler der modernen Berliner Szene.

  • ÖffnungszeitenTäglich 18:00–03:00 (Fr–Sa bis 04:00) · klingeln
  • Telefon+49 30 25759977

Geografie des Durstes

Wo man trinkt, und warum.

Fünf Ecken Berlins tragen das meiste Gewicht. Jede hat ihr eigenes Tempo — und ihre eigene Geschichte mit dem Glas.

Mitte Zentrum

Vom Rosenthaler Platz bis zum Bahnhof Friedrichstraße, im wiedervereinigten Herzen der Stadt: das Mailänder Aperitivo der Bar Milano, die verborgene Tür von Buck and Breck, die Stahltür von Tausend unter den Bahnbögen, das Cookies-Erbe bei Crackers, Windhorsts Jazz-Salon an der Dorotheenstraße und Mr. Susan in der Spandauer Vorstadt. Hier beginnt der Abend.

Kreuzberg & Neukölln SO 36

Das Kraftzentrum der neuen Szene. Im Wrangelkiez baut die Schwarze Traube ohne Karte, am Oranienplatz gießt ORA seinen Negroni in einer alten Apotheke; in Neukölln führt Wax On die World’s 50 Best an, Velvet destilliert sein Foraging und TiER spielt Wohnzimmer. Spät, ungezwungen, ernst beim Handwerk.

Schöneberg & Tiergarten West

Das alte West-Berlin und seine Klassiker-Tradition. Die grüne Tür in der Winterfeldtstraße, der Saloon Stagger Lee, über dem Café Einstein die Spirituosenbibliothek des Lebensstern, Bar Nonnos Aperitivo in der Akazienstraße und an der Potsdamer Straße die Victoria Bar.

Prenzlauer Berg Nord

Der ruhige Osten. Hinter Samuel Becketts Porträt in der Pappelallee liegt Becketts Kopf — zwei stille Zimmer, klassische Cocktails aus eigenen Destillaten. Im Pfefferberg mischt KINK Labor-Cocktails, im Kollwitzkiez zieht Bryk seine eigenen Bitter. Für den späten, erwachsenen Drink.

Charlottenburg Ku’damm

Der alte Westen, oft übersehen, mit eigener Klassiker-Tiefe: der Rum Trader von 1976, Berlins älteste Cocktailbar; die Bar Zentral unter den S-Bahn-Bögen am Zoo; und die Hildegard Bar nahe dem Kurfürstendamm, die einen perfekten Negroni verspricht.

Eine Karte für die Nacht

Zweiundzwanzig Bars, eine Stadt.

Von Charlottenburg im Westen bis Neukölln im Osten — die Auswahl spannt sich quer über Berlin. Sucht euch einen Kiez und macht einen Abend daraus.

Drei Lesarten desselben Glases

Der Negroni, auf Berliner Art.

Einen offiziellen „Berliner Negroni“ gibt es nicht. Aber die Zutaten für einen, der ganz aus Berlin stammt, liegen bereit — seit 1894, als Mampe sein Halb & Halb erfand.

Der Vorschlag des Hauses

Der Berliner Negroni

Selbst zu bauen — oder höflich bei einem der Barkeeper dieser Liste zu erfragen.

  • 30 ml Berliner Brandstifter Dry Gin (Wilmersdorf, seit 2009 — Holunder, Gurke, Malvenblüte, Waldmeister)
  • 30 ml Mampe Halb & Halb — Berlins eigener Bitterlikör (Bergmannkiez, Kreuzberg, seit 1894)
  • 30 ml roter Wermut
  • · gerührt auf einem großen Eiswürfel; Orangenzeste ausgedrückt, hineingelegt

Der klassische Negroni nimmt Campari. Berlin hat seine eigene bittere Orange: Mampe Halb & Halb, seit 1894 hier gebraut, heute im Bergmannkiez in Kreuzberg. Setzt man dazu Berliner Brandstifter als Wacholder-Basis, hält man einen Negroni in der Hand, der von der ersten bis zur letzten Zutat berlinerisch ist — herber, kräutriger, mit der Orange weiter vorn. (David Bowie drehte 1978 für Schöner Gigolo in einer riesigen Mampe-Flasche — so tief sitzt der Likör in der Stadt.) Kein Hausrezept einer Bar, sondern ein Vorschlag: probiert ihn aus.

Der Klassiker

Jede Adresse dieser Liste, höflich bestellt.

  • 30 ml London Dry Gin
  • 30 ml roter Wermut
  • 30 ml Campari
  • · gerührt, großer Eiswürfel, Orangenzeste

Gleiche Teile. Immer. Das 1:1:1 ist der Vertrag; bricht ihn ein Barkeeper ungefragt, geh höflich. Keine dieser zweiundzwanzig Bars tut das.

Der Buttermilch-Negroni — Green Door

Green Door · Winterfeldtstraße 50 · eine dokumentierte Variation

  • · Gin, roter Wermut, italienischer Bitter
  • · mit Buttermilch geklärt (milk-washing)
  • · seidig, klar, die Bitterkeit gerundet

Auf der Karte des Green Door tauchte ein mit Buttermilch geklärter Negroni auf (50 Best Discovery, Sommer 2021). Die Milch bindet die Bitterstoffe und wird abfiltriert: zurück bleibt ein glasklarer, seidiger Negroni, dessen Schärfe gerundet ist. Berliner Klassik-Bar trifft moderne Technik.

Von Turin nach Berlin, über Kreuzberg

Eine kurze, parteiische Geschichte.

1894

Berlin bekommt seinen eigenen Bitter. Carl Mampe — sein Haus seit 1831, in Berlin produzierend seit 1877 — erfindet das Halb & Halb: bittere Orange und Kräuter, halb süß, halb herb. 1904 holt es auf der Weltausstellung einen Grand Prix. Berlins Amaro ist älter als der Negroni selbst.

1919

Florenz, Caffè Casoni. Graf Camillo Negroni, zurück von seinen Cowboy-Jahren im amerikanischen Westen, bittet den Barmann Fosco Scarselli, seinen Americano zu verschärfen — Gin statt Soda. Das Rezept wandert über den Tresen. Das Glas trägt fortan den Namen des Grafen.

Heute

1976 öffnet der Rum Trader in Charlottenburg — der Inbegriff der West-Berliner Klassiker-Bar. 1995 folgt das Green Door, 2001 die Victoria Bar. 2010 bringt Buck and Breck Berlin auf die World’s 50 Best (Platz 16, 2015); 2012 die Schwarze Traube in Kreuzberg, 2017 Velvet in Neukölln. Die Stadt hat ihren eigenen Negroni — jetzt.